IFS-Wörterbuch

Ein einfaches Wörterbuch für den Ansatz des
Internal Family System
oder System der inneren Familie

Internal Family System

(System der inneren Familie)

Teile

Ein Teil ist eine Sub-Persönlichkeit. Wir alle haben viele Teile, jeder von ihnen hat seine eigene Perspektive auf die Welt inklusive Wahrnehmung der Welt, Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen. Abhängig davon welcher Teil in uns aktiv ist, nehmen wir darum die Welt anders wahr, fühlen und verhalten uns anders. Jeweils im Einklang mit diesem Teil unserer Persönlichkeit.

Beschützer sind Teile in extremen Rollen die versuchen bestimmte Verbannte (Teile die Lasten aus der Verangenheit tragen) oder das gesamte Sitautionen zu schützen. Der Impuls zu schützen basiert auf Erfahrungen der Vergangenheit und ist oft der Versuch um jeden Preis zu verhindern, dass sich Situationen, Gefühle und Erfahrungen der Vergangenheit wiederholen. 

IFS unterscheidet zwischen zwei Arten von Beschützer: Managern und Feuerbekämpfern (Firefighters).

  • Manager sind pro-aktive Beschützer. Das heißt, sie versuchen strategisch und durch proaktive Handlungen das Leben so zu organisieren, dass Situationen aus der Vergangenheit ja nicht wieder auftreten. 
  • Feuerbekämpfer (im Englischen Firefighters, normal übersetzt wären es Feuerwehrleute) sind re-aktive Beschützer. Das heißt sie versuchen Verbannte, Gefühle und Reaktionen zu unterdrücken, wenn sie bereits hochkommen oder aktiviert sind.

Ein Verbannter ist ein Teil (meist ein inneres Kind) das eine Last (Emotionen, Glaubenssätze etc.) aus der Vergangenheit trägt. Verbannte sind normalerweise in dieser Erfahrung wie eingefroren und werden von Beschützern vom Rest des Systems abgetrennt und aus dem Bewusstsein gehalten, damit der Schmerz nicht wieder hochkommt. 

 

Jeder Teil hat eine Rolle in unserer Psyche. Eine Rolle ist eine Qualität, Fähigkeit oder Aufgabe die er übernimmt – in uns oder im Kontakt mit der Welt. Im Kern jeder Rolle ist eine Positive Intention

Jeder Teil hat eine positive Intention für uns und unser Leben. Das heißt: Jeder Teil tut etwas, weil er dadurch versuch, dass wir a) Schmerz vermeiden und b) es uns besser gehen soll (in der Fachsprache: Er möchte das psycho-biologische Wohlbefinden fördern). Manche Teile haben allerdings extreme Rollen inne, die auf verzerrten Wahrnehmungen und Verhaltensweisen basieren.

Ein extremer Teil ist ein Teil, der eine extreme Rolle hat. Diese extreme Rolle basiert auf den Auswirkungen extremer Erfahrungen, die in der Vergangenheit nicht verarbeitet werden konnten und die noch immer die Wahrnehmung, Gefühle, Glaubenssätze und Verhaltensweisen des Teils prägen. 

    • Teile in extremen Rollen tragen entweder Schmerzen aus der Vergangenheit
    • oder glauben, sie müssen extreme Dinge tun, damit wir sicher bleiben – auch wenn dies objektiv vielleicht schon lange nicht mehr stimmt.

Eine Last ist etwas, was ein Teil in der Vergangenheit auf sich genommen hat, was dem Teil Probleme bereitet und davon abhält, seiner natürlichen Rolle nachzugehen. Lasten können alte Emotionen, Glaubenssätze oder Verhaltensweisen sein. Lasten werden aufgrund von schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit übernommen, die wir nicht verarbeiten konnten. (Außer im Falle von Legacy Burdens – vererbten Lasten).

Für Verbannte ist die Last das negative Gefühl das sie tragen. Für Beschützer ist die Last die extreme Rolle die sie übernommen haben, um das System zu schützen.

Ein Legacy burden ist eine vererbte Last, die aus der Familie, Freundeskreis oder den Vorfahren “aufgenommen” wurden (in psychoanalytischen Termini, die introjiziert wurden). Dadurch ist die Last nicht durch eine bestimmte Situation entstanden, sonder eher wie Osmose aufgenommen worden aus bestehenden Dynamiken: Der Familie, Kultur…

Ein gesunder Teil hat in der Vergangenheit keine Last oder extreme Rolle aufgenommen und kann deswegen seine natürlichen Fähigkeiten nutzen, um tatsächlich zum psycho-biologischen Wohlbefinden der Person beizutragen.

Selbst

Das Selbst ist wer wir wirklich sind – unser wahres Wesen oder essentielles Sein. IFS nutzt zwei Konzepte, um auf unser essentielles Sein zu verweisen: 

    • “Selbst” deutet auf die Erfahrung und Realität hin, dass wir ein wahres Individuum und essentielles Wesen sind. 
    • “Selbst-Energie” umfasst die Qualitäten unserer Präsenz, die auftauchen, wenn wir mit unserem Selbst in Verbindung sind.
    • Diese werden im IFS mit den “8 C’s” bezeichnet. Wenn wir mit unserem Selbst in Verbindung stehen, sind wir: neugierig, offen, mutig, geerdet, ruhig, verbunden, mitfühlend, selbstbewusst, kreativ … 

Dies ist die Liste der Qualitäten, die auftauchen, wenn Menschen von ihren Teilen entschmolzen sind und mit ihrem Selbst in Verbindung stehen:

  • Im Englischen: Curiosity, Compassion, Calmness, Confidence, Creativity, Courage, Connectedness and Clarity.
  • Im Deutschen: neugierig, offen, mutig, geerdet, ruhig, verbunden, mitfühlend, selbstbewusst, kreativ

 

Ist der Zustand des inneren Systems, wenn das Selbst in Führung ist und die Teile dem Selbst vertrauen. Dies ist ein Zustand aus dem wir leben können. 

Tools & Schritte

Verschmelzen ist der Zustand, wenn ein Teil das System übernimmt und mit dem Selbst verschmilzt. Dann fühlt eine Person die Gefühle, Gedanken, Impulse des Teils als wären es seine eigenen. 

Entschmelzen bezeichnet den Moment, wenn ein Teil sich vom Selbst trennt. Als Tool bezeichnet das Entschmelzen die Praxis zu lernen, Teile dabei zu unterstützen sich vom Selbst zu trennen, durch: Interaktion mit dem Teil, Meditation, direktes Nachfragen etc. 

Sind die 6 Schritte, die IFS nutzt um mit Beschützern zu arbeiten: 

  • Finden – Lokalisieren des Teils mit dem wir arbeiten in oder um den Körper 
  • Fokussieren – Die Aufmerksamkeit nach innen und auf den Teil lenken
  • Heraus-Finden – Mehr über den Teil lernen auf eine Art, die das Entschmelzen unterstützt
  • Gegenüber-Fühlen – die Präsenz des Selbst testen und wenn nötig weiter entschmelzen
  • An-Freunden – Vom Selbst eine Beziehung mit dem teil aufbauen und mehr über ihn und seine Rolle lernen 
  • Be-Fürchtungen – die tiefsten Ängste und Befürchtungen des Teils kennenlernen und verstehen, warum er tut, was er tut

Im IFS ist der Teil nicht das gleiche, wie die Last die er trägt. Ent-Lastung ist der Moment, wo ein Teil die Last oder Rolle der Vergangenheit loslässt. Wenn er dies tut, kann er zu seinen gesunden Qualitäten zurückkehren. 

Der Entlastungs-Prozess umfasst die Schritte, die IFS nutzt um Verbannten zu helfen, die Lasten der Vergangenheit loszulassen

  • Verbannten Kontaktieren – Kontakt mit dem Verbannten finden
  • Bezeugen – Die Erfahrungen, Gefühle und Schwierigkeiten des Verbannten aus dem Selbst bezeugen und mitbekommen
  • Neue Erfahrung – Den Verbannten dabei unterstützen eine neue Erfahrung zu machen. Entweder im Hier und Jetzt oder in der Vorstellung
  • Zurückholen – den Verbannten aus der Situation in der er so lange festgesteckt hat herausholen an einen besseren Ort
  • Entlasten – Den Verbannten dabei unterstützen die Last die er getragen hat loszulassen
  • Integration – die entlasteten Verbannten und Beschützer der seine Rolle nicht mehr durchführen muss ins System integrieren