5. Metaphern als Zugangsweg zum Unbewussten
Wir können Kontakt zu den tieferen Schichten unseres Erlebens – dem Unbewussten – auf verschiedene Weisen herstellen.
Der gemeinsame Nenner ist immer Aufmerksamkeit: Worauf wir sie richten, entscheidet, welche Ebenen des inneren Erlebens zugänglich werden.
Viele alte und moderne Praktiken – Meditation, Trance, Hypnose, psychedelische Erfahrungen – basieren genau darauf: Sie verändern die Fokussierung der Aufmerksamkeit, um den Dialog mit tieferen Schichten des Bewusstseins zu ermöglichen.
Das Unbewusste spricht in Bildern
Das Unbewusste antwortet nicht auf Analyse, sondern auf Bilder, Symbole und Metaphern.
Wenn wir beginnen, mit diesen Bildern zu interagieren, reagiert es – wie ein Organismus, der nur in seiner eigenen Sprache verstanden werden will.
- Das IFS-Modell nutzt dafür die Metapher der inneren Personen – die Idee, dass in uns verschiedene „Anteile“ mit eigenen Stimmen und Bedürfnissen wirken.
- Clean Language arbeitet dagegen mit der Metapher des Klienten selbst – es fragt nach den Bildern, die spontan im Erleben entstehen, ohne sie zu interpretieren oder zu psychologisieren.
Beides sind Wege, mit dem Unbewussten in Dialog zu treten – nicht durch Erklärung, sondern durch Beziehung.
Wie Clean Language mit dem Unbewussten kommuniziert
Im Clean-Language-Prozess beschreibt der Klient sein Erleben in eigenen Worten und Bildern:
„Es fühlt sich an wie ein Gewicht auf meinen Schultern.“
Der Coach fragt dann nicht nach Ursachen, Geschichte oder Bedeutung, sondern bleibt in der Symbolik:
„Und dieses Gewicht auf deinen Schultern – was für ein Gewicht ist das?“
Diese Form des Fragens lässt das Bild sich selbst entfalten.
Das Unbewusste antwortet – nicht mit Argumenten, sondern durch Veränderungen im inneren Bild, in Körperempfindung und Gefühl.
Für manche Menschen bietet das IFS-Modell einen präzisen, strukturierten Rahmen für diesen inneren Dialog. Für andere ist es zu eng, zu personifiziert. Dann kann eine offenere, bildhaftere Sprache – wie Clean Language – direkter wirken.
Der Körper als Zugang – Der Felt Sense
Eine weitere Möglichkeit, mit dem Unbewussten in Kontakt zu treten, ist der Felt Sense – die feine, körperliche Wahrnehmung, die Eugene Gendlin beschrieben hat. Es ist der Moment, in dem man nicht über etwas nachdenkt, sondern es im Körper spürt.
Diese Wahrnehmungsebene steht in direkter Verbindung zum Unbewussten. Denn der Körper reagiert auf Dinge, lange bevor wir sie verstehen.
- Er weiß, was stimmt und was nicht stimmt.
- Er zeigt uns Spannungen, Unruhe, Enge – oder Weite, Wärme, Ruhe.
Über den Felt Sense, über Metaphern, über Teile – all diese Wege führen letztlich zur selben Tür. Es geht immer um Kontakt. Um eine Interaktion zwischen Bewusstsein und Unbewusstem.
Wenn wir beginnen, uns dieser inneren Kommunikation zuzuwenden, hören wir auf, gegen uns zu arbeiten. Wir lernen, zuzuhören – und Antworten zu empfangen, die nicht aus dem Denken, sondern aus dem Erleben kommen.
Das ist die gemeinsame Wurzel all dieser Ansätze: Nicht Heilung durch Analyse, sondern Erkenntnis durch Beziehung.
Entscheidend ist nicht die Methode, sondern die Richtung der Aufmerksamkeit
- weg von Kontrolle, hin zu Wahrnehmung,
- weg von Erklärung, hin zu Beziehung mit dem inneren Erleben.
IFS ist eine mögliche Sprache, Clean Language eine andere – beide öffnen den gleichen Raum: den Kontakt zu dem, was in uns fühlt, bevor es denkt.
Quellen
- https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/M/bo3637992.html
- https://www.nickpole.com/en-GB/words-that-touch/page_304
- https://www.crownhousepublishing.com/metaphors-in-mind
Interne Links
- https://www.lucasforstmeyer.com/neuropsychology-02-04
- https://www.lucasforstmeyer.com/philosophical-foundations-04
- https://www.lucasforstmeyer.com/neuropsychology-02-03
- https://www.blog.beziehungsgarten.de/your-relationship-is-a-garden
- https://www.blog.beziehungsgarten.de/nervous-system
- https://www.blog.beziehungsgarten.de/felt-sense
- https://www.blog.beziehungsgarten.de/attachment