4. Das IFS-Modell als Metapher, nicht als Wirklichkeitsbeschreibung

Man kann das IFS auf zwei Arten verstehen.

  • Entweder als Theorie, die eine konkrete Aussage über die Psyche macht: In uns gibt es Beschützer, Verbannte und ein Selbst. Diese Anteile existieren als reale innere Entitäten, die miteinander interagieren. Wenn wir sie kennenlernen und entlasten, beruhigt sich das System – und wir werden heil.
  • Oder man kann das IFS als Metapher betrachten. Als ein Bild, das uns hilft, das Unfassbare – unser Unbewusstes – greifbar zu machen.

Ich neige zu Letzterem.

Denn das, was wir als „Innenwelt“ erleben, ist kein geordnetes System aus Figuren, sondern ein unendlicher, ständig aktiver Prozess.

Das Unbewusste steuert, was wir wahrnehmen, fühlen, denken, erinnern. Es filtert die Welt für uns, lange bevor wir glauben, etwas bewusst zu erleben.

Ein Beispiel ist der Cocktail-Party-Effekt: Man ist vertieft in ein Gespräch, filtert alles andere aus – bis irgendwo im Raum der eigene Name fällt. Plötzlich ist die Aufmerksamkeit da. Etwas in uns hat die ganze Zeit mitgehört. Das ist das Unbewusste.

Das IFS-Modell bietet eine Kommunikationsform, um mit dem Unbewussten zu sprechen

Wir sprechen mit dem Unbewussten, indem wir so tun, als wären seine Muster einzelne Persönlichkeiten.

Wir nutzen unsere tiefste soziale Kompetenz – den Umgang mit anderen Menschen – als Metapher, um mit dem inneren Geschehen Kontakt aufzunehmen.

Und genau das macht das Modell so kraftvoll. Wenn man die Metapher annimmt, beginnt das Unbewusste zu antworten. Es reagiert auf Beziehung, nicht auf Analyse. Dadurch kann Veränderung entstehen.

Aber: Das bedeutet nicht, dass die Teile real existieren. Es bedeutet, dass das Bild der Teile eine Sprache ist, die das Unbewusste versteht.

Für manche Menschen ist diese Sprache erstaunlich präzise. Für andere ist sie irreführend. Dann braucht es andere Bilder – vielleicht den Körper, vielleicht das Nervensystem, vielleicht den Garten.

IFS ist also kein finales Abbild der Psyche, sondern eine Übersetzungshilfe zwischen Bewusstsein und Unbewusstem. Eine Metapher, um mit etwas zu sprechen, das sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt.


Quellen

  • https://www.guilford.com/books/Internal-Family-Systems-Therapy/Schwartz-Sweezy/9781462541461
  • https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/M/bo3637992.html
  • https://www.crownhousepublishing.com/metaphors-in-mind
  • https://www.lucasforstmeyer.com/beyond-ifs-03
  • https://www.lucasforstmeyer.com/beyond-ifs-04
  • https://www.lucasforstmeyer.com/ifs-course-01
  • https://www.lucasforstmeyer.com/ifs-course-10
  • https://www.lucasforstmeyer.com/neuropsychology-02-04
  • https://www.lucasforstmeyer.com/ifs-course-13
  • https://www.lucasforstmeyer.com/ifs-course-16
  • https://www.lucasforstmeyer.com/ifs-course-06
  • https://www.lucasforstmeyer.com/philosophical-foundations-05